Burger mit Veganpatty, Gorgonzola, Walnüssen und Portweinzwiebeln

In einem früheren Beitrag habe ich bereits mit Veganpattys experimentiert. Um dessen Nachteile zu kompensieren kam mir nun eine Idee: Warum muss ein Burger mit Veganpatty denn vegan sein? Wie’s gemacht wird und wie das schmeckt, eingebettet in ein paar ernährungsphilosophische Gedanken könnt ihr hier nachlesen. Los geht’s!

Zubereitungszeit: 30 min
davon Grillzeit: 15 min
Schwierigkeitsgrad: 1 von 5


Disclaimer

Ich bin weder Veganer noch Vegetarier, wohl aber ein Öko, der sich viele Gedanken darüber macht, was sein handeln für die Welt für folgen hat. Ich bin wohl das Gegenteil eines Idealisten und damit stets bemüht, mich an Fakten zu halten und euch meine eigenen Gedanken zu den Themen mitzuteilen.

Außerdem habe ich den Wonder Burger selbst von meinem eigenen Geld gekauft, stehe auch in keiner Verbindung zum Hersteller oder Vertreiber des hier vorgestellten Produkts und erhalte natürlich keinerlei Vorteil daraus. Kurzum: ich habe es gekauft, gegessen und Berichte euch nun wie’s war.

Zur „Komposition“ des Burgers

Auch wenn die meisten von mir bisher probierten Veganpattys hinsichtlich Optik, Konsistenz und Mundgefühl beeindruckend fleischähnlich sind, sind sie geschmacklich naturgemäß nicht mit Fleischpatties zu vergleichen. Zum einen haben sie nicht wirklich einen Eigengeschmack, zum anderen haben sie ein sehr spezielles Aroma. Woher das kommt, habe ich bisher noch nicht herausgefunden.

Wie schon im Beitrag über den Big Vegan TS Nachbau angesprochen ist es aus o. g. Gründen aus meiner SIcht nicht gerade geschickt, das Patty mit genauso wenig geschmacksintensiven Zutaten zu kombinieren. Daher habe ich beschlossen, meinen Veganpatty-Burger mit zwei geschmacklich eher vordergründigen Komponenten auszustatten: Portweinzwiebeln und Gorgonzola.

Bei einem normalen Burger wäre es fast ein wenig schade, wenn der Fleischgeschmack hinter Gorgonzola und Zwiebeln deuchtlich zurückbleibt. Beim Veganpatty ist das ein Vorteil.

Ein Blick auf die Verpackung unseres Veganpatties

Ich werde das Gefühl nicht los, dass sich solch ein Fleischersatzprodukt nur verkauft, wenn einem die Packung bereits das Blaue vom Himmel verspricht. Das war schon beim „Incredible Burger“ von Garden Gourmet so, der beim Big Vegan TS von McDonalds zum Einsatz kommt. Und unser „Wonder Burger“ ist hier auch keine Ausnahme. 100%-Genuss gebe es da, proteinreich sei er und unglaublich saftig. Die regelmäßigen Grillmanifest-Leser wissen bereits, dass derartiges Marketinggeschwätz bei mir nur Mißgunst sät.

Was ist drin im „Wonder Burger“?

Die Zutatenliste verrät, was drin ist: Trinkwasser, texturiertes Sojaproteinkonzentrat (10%), Kokosöl, Sojaprotein (9 %), Aromen, Maisstärke, Verdickungsmittel: Methylcellulose; Speisesalz, Dextrose, Flohsamenschalen, Inulin, Rote Bete Extrakt, färbendes Lebensmittel. Die Spuren erspare ich euch.

Liest sich im ersten Moment eher wie ein technischer Klebstoff als wie die Burger-gewordene Offenbarung für Fleischverweigerer. Was mir auffällt: nach dem Sojaprotein, welches 9% der Masse ausmacht, kommt gleich Aromen, danach die Verdickungsmittel Maisstärke und Methylvellulose. Daraus schließe ich, dass hier ganz schöne Mengen an Aromen drin sind. Das prädikat „natürlich“ steht nicht dabei, was auch Interpretationsspielraum lässt. Abschließend kann man sagen: ein durch und durch natürliches Lebensmittel, was den Labors hier entsprungen ist 🙂

Aber wer Veganburger essen möchte, muss sich wohl damit abfinden.

Philosophierstunde: Aber mit Gorgonzola ist der Burger doch gar nicht mehr vegan …

Ich bin kein Veganer, warum sollte der Burger dann vegan sein? Derlei Produkte esse ich einerseits, weil ich der Überzeugung bin, dass die Welt ein besserer Ort wäre, würden wir alle weniger Fleisch essen – weniger, nicht kein – andererseits aus Neugier. Und dem, der das erste Argument nicht anerkennt seien die (durchaus ernstgemeinte) Einleitung meines 1.-April-Beitrags Das Grillmanifest wird VEGAN sowie die Beiträge zum Big Vegan TS Nachbau und zum Pulled Jackfruit Burger empfohlen. Dort führe ich diesen Gedanken genauer aus und unterfüttere ihn mit Quellen.

Aber wenn ich so denke, warum bin ich dann kein Veganer?

Den Grund hierfür finden wir in der Mathematik: Wenn alle 20% weniger tierische Produkte essen hätte es den gleichen Effekt, wie ein Veganeranteil von 20%. Während Ersteres für niemanden eine große Einschränkung wäre, ist Zweiteres schlicht utopisch. Und ich frage mich, wann der Gedanke in den Leuten reift, dass man mit Extremismus und Denkverboten nichts bewirkt. Die Gesellschaft ist im stetigen Wandel, aber Änderungen passieren immer langsam und weil es die Menschen selbst wollen. Veganfaschisten sind dabei genauso schädlich wie das offensichtlich dem Grünutopia entsprungene Fleischverbot.

So, nun aber genug philosophiert, kommen wir zum Rezept:


Zutaten für 2 Burger

  • 2 Veganpatties (oder normale Patties, wollen wir nicht so sein)
  • 2 Burger Buns (z. B. nach Sallys Backwelt)
  • ca. 150 g Gorgonzola (ich verwende würzigen)
  • 1 Handvoll Walnusskerne
  • Portweinzwiebeln (Rezept unten)
  • BBQ-Sauce (z. B. meine süß-rauchige BBQ-Sauce)
  • etwas Rapunzel (Feldsalat)
  • 1 Tomate (z. B. Ochsenherz)

Zutaten für die Portweinzwiebeln

  • 2-3 mittelgroße Zwiebeln
  • ca. 50 ml Starkwein (Portwein, Sherry oder Madeira)
  • brauner Zucker
  • Salz

Setup

Der Grill wird für mittlere direkte Hitze vorbereitet. Sehr hierbei ein indirekte Zone vor, da die Patties nach dem Angrillen mit Gorgonzola überbacken werden. Ein Deckel auf eurem Grill ist hierfür hilfreich, aber nicht zwingend notwenig.

Grillsetupschema für das Grillen von Burgern

Zubereitung

Startet zunächst den Grill und regelt ihn wie im Setup beschrieben ein.

Bereitet zunächst die Portweinzwiebeln zu. Schneidet die Zwiebeln dafür in Breite Ringe und bratet sie in etwas Öl in einem Topf an. Wenn die Zwiebeln etwas Farbe angenommen haben, gebt den braunen Zucker dazu und lasst ihn ein wenig karamellisieren. Löscht anschließend mit einem großen Schluck Starkwein (in meinem Fall Madeira) ab. Dreht nun die Hitze zurück und lasst die Zwiebeln ohne Deckel etwas reduzieren. Gebt bei Bedarf noch etwas Starkwein oder Wasser dazu. Wenn die Zwiebeln noch ein kleinwenig Biss haben, sind sie fertig.

Ist der Grill auf Betriebstemperatur, könnt ihr die Pattys auflegen und von beiden Seiten bis zur gewünschten Bräunung angrillen. Auf die Kerntemperatur braucht ihr bei den Veganpatties kein so großes Augenmerk legen. Für die unter euch, die es trotzdem wissen wollen, hab ich sie bei mir gemessen: sie war (nach dem Überbacken) bei ca. 60 °C.

Nachdem die Patties den gewünschten Bräunungsgrad haben, legt ihr sie in den indirekten Bereich und belegt sie mit der gewünschten Menge Gorgonzola und den Walnüssen. Währenddessen könnt ihr die aufgeschnittenen Buns schonmal auf der aufgeschnittenen Seite antoasten.

Nun geht alles Ruckzuck: Wir belegen den Burger:

  • Bun Unterseite
  • Feldsalat
  • ein Klecks BBQ-Sauce
  • ca. 1 EL Portweinzwiebeln
  • Überbackenes Patty
  • Portweinzwiebeln
  • Tomatenscheiben
  • Bun Oberseite

Fazit

Und schon ist er fertig, unser nicht veganer Burger mit Veganpatty.

Zum Lidl Veganpatty: Wie schon beim Patty des Big Vegan TS Nachbaus ist es wieder beeindruckend wie dieses Fleischersatzprodukt hinsichtlich Optik, Konsistenz und Mundgefühl einem Rindfleischpatty ähnelt.

Geschmacklich ist das Patty vergleichbar mit dem Garden Gourmet Patty, wenn es auch ein wenig fester im Biss ist, für das „perfekte“ Patty fast etwas zu fest.

Die Prämisse dieses Burgerexperiments war es, die Nachteile des geschmacksarmen Veganpattys durch die Kombination mit geschmacksintensiven Zutaten abzuschwächen. Hat es funktioniert?

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage aber:

Ich trau mich zu sagen, dass mindestens 3/4 derer, die diesen Burger probieren nicht erkennen würden, dass er kein Fleischpatty enthält. Vllt. würde er das Patty als nicht besonders hochwertiges Hackfleischpatty empfinden, aber mein Experiment ist damit aus meiner Sicht mit überragendem Erfolg gelungen.