Big Vegan TS (Veganburger TS) selbst gemacht auf dem Grill

McDonalds hat vor Kurzem seinen neuen Burger Big Vegan TS (mittlerweile Veganburger TS) herausgebracht und bewirbt ihn gerade im Social Media Umfeld. Ich habe mich dem Ganzen einmal von einer anderen Seite genähert und den Burger kurzerhand selbst nachgebaut. Wie der Burger schmeckt und warum er eine echte Alternative sein kann, könnt ihr in diesem Beitrag nachlesen.

Zubereitungszeit: 15 min
davon Grillzeit: 10 min
Schwierigkeitsgrad: 1 von 5


Vorwort

Bevor es los geht, muss ich anmerken, dass mir wegen meiner ausgeprägten Intoleranz gegenüber der Verfremdung der deutschen Sprache von meinem Bruder der (mehr oder weniger) liebevolle Spitzname „Grammatik-Gestapo“ verliehen wurde. Auch möchte ich darauf hinweisen, dass ich alle Produkte mit meinem eigenen Geld gekauft habe und ich keinerlei Bezahlung für diesen (oder sonst irgendeinen) Beitrag erhalte. Übrigens esse ich sehr wohl Fleisch, aus Tierwohlgründen aber sehr selten bei McDonalds und anderen Fastfoodketten.

Vegan? Warum? Ich bin doch kein Veganer!

Das stimmt, ich bin kein Veganer. Ich verstehe aber nicht, warum man als Omnivore (Allesfresser) bei jeder Mahlzeit tierische Produkte essen sollte. Nun kann sich jeder selbst die Frage stellen: Wie normal ist es, 6 mal die Woche Fleisch zu essen? Hier möchte ich auf den ernst gemeinten Anfang meines 1. April-Beitrags verweisen. Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, zum konzentrierten Genuss Fleisch zu essen und ich liebe Fleisch. Aber kauft bitte gute Qualität aus vertrauensvoller Quelle. Fragt euch doch mal selbst: Wenn ihr satt werden möchtet und euch deswegen einen mittelmäßigen Burger im Restaurant einer Burgerkette kauft: Muss dieser dann das wertvolle Gut Fleisch enthalten? Oder wäre er ohne Fleisch nicht fast genauso gut, aber ihr könntet ihn dann mit besserem Gewissen essen?

Und an alle Veganer, die hier mitlesen: Ich bin mir wohl bewusst, dass das Burgerbrötchen-Rezept nicht vegan ist, aber da ich kein Veganer bin, muss es das auch nicht 🙂

Was hat es mit diesem Beitrag auf sich?

Vor kurzem hat eine große amerikanische Fastfood-Kette (die mit der goldenen Möwe) einen Burger namens Big Vegan TS vorgestellt, wobei TS natürlich für Tomate und Salat steht. Mittlerweile wird er auf der McDonalds Website als Veganburger TS geführt. Der Burger ist bewusst als Alternative zum klassischen Burger mit Fleisch positioniert. Und McDonalds ist so überzeugt vom Big Vegan TS, dass allerhand Grillblogger eingeladen wurden, (ich vemute gegen Honorar) Beiträge und Videos darüber zu posten. So gesehen bei Klaus grillt, der Sauerländer BBCrew und BBQ aus Rheinhessen (um nur wenige zu nennen). Ich habe keine Nachricht von McDonalds erhalten und erhalte auch keinerlei Honorar für das, was ich hier mache.

Dafür habe ich aber ein wenig im Internet gestöbert. Und in diesem Internet steht auf der Seite von Nestlé zu lesen, dass es sich beim Patty des Big Vegan TS um den Incredible Burger der Marke Garden Gourmet handelt. Es steht aber auch zu lesen, dass McDonalds das Patty auf Ihre Bedürfnisse angepasst hat. Was daraus nicht hervor geht ist, ob das Patty, das es im Handel zu kaufen gibt das bereits „Optimierte“ ist. Zunächst war ich verwundert, als ich diese Pattys im Kühlregal einer großen Supermarktkette liegen sah und griff gleich zu. 3,49 € kosten 2 Patties à 113 g, macht 15,44 € pro Kilo, etwa so viel wie gutes Rinderhackfleisch.

Ein Blick auf die Verpackung

Die Verpackung offenbart die Marketing-Strategie, die so viele vegane und vegetarische Gegen-den-Strom-Schwimmer-Produkte verfolgen. Dort wird dem potenziellen Kunden auf marktschreierische und hoch emotionale Weise die ja grundsätzlich positive Botschaft auf die Nase gebunden. Diese Marketingstrategie findet – wie dem feinfühligen Leser bereits aufgefallen ist – nicht meine Zustimmung. Auch auf der Packung abgedruckte Aussagen wie „NEU“ gleich neben „Veggie-Klassiker“ schaben an der Logikgrenze, „reich an Proteinen & Ballaststoffquelle“ beleidigt lediglich mein Verständnis der deutschen Sprache. Doch Marketingsprüche sind nur Schall und Rauch, lasst uns nun konstruktiv werden.

Was verbirgt sich nun hinter dem infamen Marketing-Blabla? Eine runde Scheibe von ∅ 19 cm und einer Dicke von 1,5 cm bestehend aus Wasser, Sojaeiweiß, Fett, Weizeneiweiß und noch ein paar weiteren wenig beängstigenden Zutaten. So weit so gut, es ist also schonmal ernährungsphysiologisch als Nahrung aufzufassen.

Nestlé verkauft den Burger als „saftigen, pflanzlichen Bruder von Rindfleischpatties“. Es stellt sich jedoch die Frage, ob wir ein Rindfleischpatty von McDonalds als Maßstab für Saftigkeit anführen sollten. Auch wenn ich hierzu keine offizielle Aussage des Herstellers gefunden habe, liegt es auf der Hand, was er mit diesem Patty erreichen möchte. Das Patty soll hinsichtlich Optik und Konsistenz schon im rohen Zustand so nah an einem Rindfleischpatty sein, wie nur möglich. Beispielsweise enthält es Rote Beete als Farbstoff für die „Fleischfarbe“. Ich muss sagen: ich bin gespannt, wie gut das Imitat gelungen ist.

Ich werde den selbst gemachten Burger mit dem Big Vegan TS von McDonalds vergleichen und anschließend meine 100% ernst gemeinte Meinung als weltoffener Fleischliebhaber sagen. Nun aber zum Rezept.


Zutaten für 2 Burger

  • 2 Incredible Burger Pattys
  • 2 Burgerbrötchen (z. B. nach Sally’s Backwelt („Achtung“: nicht vegan 😉 )
  • etwas Salat
  • eine Tomate
  • einige rote Zwiebelringe
  • etwas Ketchup
  • etwas Senf

Setup

Die Pattys werden direkt bei mittlerer Hitze gegrillt. Zusätzlich wird das Burgerbrötchen noch etwas angetoastet.

Grillsetup-Schema für das Grillen von Burgern

Zubereitung

Startet zunächst den Grill und lasst ihn etwas aufheizen. Schneidet schonmal die Tomaten und Zwiebeln in Scheiben und wascht das Salatblatt.

Ölt dann die Burgerpattys etwas ein, damit sie nicht am Rost festkleben, legt sie dann auf den vorgeheizten Grill und lasst sie von jeder Seite etwa 5 Minuten grillen. Das Patty klebt trotz des Fettens etwas am Rost fest, benutzt also einen Pfannenwender (bitte nicht aus Kunststoff 😉 ), um die Pattys auf dem Grill zu wenden. Schneidet die Burgerbrötchen auf und legt die Hälften jeweils mit der Schnittseite nach unten auf den Grill, um sie etwas anzutoasten.

Da ich ein unverbesserlicher Kerntemperaturmesser bin, habe ich den Burger nach 10 Minuten auf dem Grill mit einer Kerntemperatur von ca. 58 °C heruntergenommen. Ähnlich wie bei Rindfleisch bleibt das Veganpatty dann innen saftig.

Dann wird der Burger zusammengebaut:

  • Brötchenunterseite
  • Patty
  • Tomatenscheiben
  • Salatblatt
  • rote Zwiebeln
  • Senf und Ketchup
  • Brötchenoberseite

Und fertig ist der hausgemachte Nachbau des Big Vegan TS Burgers. Sieht schonmal sehr ansprechend aus.


Jetzt wird probiert: selbst gemachter Burger mit Vegan-Patty vs. McDonalds Big Vegan TS

Gut sieht er aus, dieser Angriff auf alles, das unreflektierte Burgerfetischisten als Werk des Teufels ansehen müssen. Von innen sieht der Burger aus wie medium gegartes Rinderhackfleisch. Aber wie schmeckt er nun? Als Referenz habe ich noch den Big Vegan TS von McDonalds hinzugezogen.

Zunächst das, was bei beiden Burgern gleich ist:

Der erste Biss verblüfft etwas. Der Anbiss ist wie bei einem normalen Burger, das Mundgefühl ist wie bei einem normalen Burger, der Geschmack ist… fast wie bei einem normalen Burger. Das Mundgefühl des Pattys selbst ist exakt wie bei medium gegrilltem Rinderhackfleich. Der Geschmack natürlich nicht, dieser ist schwer zu beschreiben. Besonders Geschmacksintensiv ist es jedenfalls nicht, mit einer etwas gesetzt-würzigen Note, ähnlich wie Sojasauce. Muss es aber auch nicht, denn gerade bei Burgern mit einer intensiveren Sauce fällt der Geschmack des Fleischs nicht wirklich auf, wie ich schon bei meinen Beer-Can-Kohlkopf festgestellt habe. Das ist übrigens auch der Grund, warum ich Pulled Pork nicht mehr als Burger esse, es wäre schlicht Verschwendung.

Nun aber zu den Unterschieden zwischen Big Vegan TS und Eigenbauburger:

Ich stelle fest, dass McDonalds sehr wahrscheinlich nicht exakt das gleiche Patty verwendet. Das Patty auf dem Big Vegan TS ist dünner und hat einen weniger stark ausgeprägten Eigengeschmack. Insgesamt schmeckt mir der Eigenbauburger besser: Das Brötchen schmeckt nach mehr, das Gemüse ist frischer. Ansonsten hätte ich nicht gedacht, dass die beiden Burger so nah beieinander liegen würden.

Mein persönliches Fazit

Dass dieser Burger und die Tatsache, dass es ihn bei einer so weit verbreiteten Fastfood-Kette gibt für einen Veganer eine mittelgroße Offenbarung ist, steht glaube ich außen Frage. Aber ist der Big Vegan TS und sein selbstgemachter Bruder mit Veganpatty für den Fleischesser eine Alternative zu einem echten Burger? Hierauf des Ingenieurs liebste Kurzantwort: Es kommt darauf an:

Option 1: Isst man einen Burger, um Genuss zu verspüren ist er nur bedingt geeignet. Die Frage, ob das ein konventioneller McDonalds Burger wie sein Fleischbruder Hamburger Royal TS im Kreuz hat, lasse ich mal so stehen. Der Royal TS schmeckt mir aber immer noch etwas besser.

Option 2: Sieht man den Burger eher als Nahrung an, als etwas, das einen glücklich macht allein ob des Umstands, den Bauch zu füllen und dabei ganz brauchbar zu schmecken ist er schon deutlich geeigneter. Und das ist meiner Meinung nach genau die Kernkompetenz von McDonalds. Etwas allgemeiner ausgedrückt: Als ökologisch sinnvolles Nahrungsmittel für die Massen hat der Burger auf jeden Fall seine Daseinsberechtigung. Über den ernährungsphysiologisch Wert eines solchen Lebensmittels kann man streiten, das gilt aber für jede Art von Burger.

Ich jedenfalls werde den Big Vegan TS nun öfters bei McDonalds essen, denn so gut ist er. Zumindest nach Option 2.

Was würde ich an diesem Burger verändern?

Der Big Vegan TS ist ein Vegan-Nachbau des Hamburger Royal TS. Ich vermute, dass McDonalds ihn erstmal vorsichtig auf bekanntem Wege im Markt positionieren möchte.

Das Konzept und seine Positionierung könnte meiner Meinung nach aber etwas aggressiver sein. Lasst mich erklären: Das Patty ist hinsichtlich Biss und Konsistenz sehr gut gelungen, geschmacklich kommt aber nicht viel. Anstatt mich auf relativ simple und zurückhaltende Geschmäcker wie Tomate Salat und Ketchup zu stürzen, würde ich dem Patty etwas kräftigeres zur Seite stellen.

Ich denke da an eine rauchig-intensive BBQ-Sauce, Zwiebelmarmelade, Guacamole, einen frittierten Zwiebelring, Tomatensalsa, Käse; der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Oder noch besser: Man könnte doch jeden auf der Karte erhältlichen Rindfleischpatty-Burger auf Wunsch mit Veganpatty anbieten. So würde auch die Abwechslung nicht zu kurz kommen und für jedes verkaufte Veganpatty wird ein Rindfleischpatty weniger gebraucht.

Ich jedenfalls werde den Eigenbauburger mit Veganpatty beim nächsten mal mit Zwiebelmarmelade oder ähnlichem optimieren, vllt. baue ich dann ja einen Burger, der mich überzeugt. Hinterlasst mir gern eure (konstruktive) Meinung zu dem Thema in den Kommentaren. Ich würde gern mit euch diskutieren. Hinweis: „Vegan ist doch scheiße, du Öko-Hippie“ ist z. B. nicht konstruktiv.

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