Schweinenackensteaks perfekt grillen

Grillsaison? Dieses Wort sagt dem Ganzjahresgriller nichts. Und doch folgen die Meisten den Sonnenstrahlen, die die Temperaturen erstmals auf รผber 15 ยฐC klettern lassen und machen ein Feuer an. Und was ist der Gold-Standard unter den Grillgerichten? Richtig, Schweinenackensteaks. Und wie ihr die ohne Fertigmarinade in Perfektion grillt, steht in diesem Beitrag

Zubereitungszeit: 45 min
davon Grillzeit: 15 min
Schwierigkeitsgrad: 1 von 5


Ouvertรผre

Jedes Jahr, wenn die Temperaturen unter Tags so langsam รผber die 15 ยฐC steigen werde ich gefragt „Na, hast deinen Grill schon wieder in Betrieb genommen?“ Voll fingiertem Unverstรคndnis Frage ich dann, was der Fragende mit „wieder“ meine und gebe zu verstehen, dass ich Ganzjahresgriller bin. Aber konstruktiv betrachtet ist fรผr die Meisten „Grillsaison“, wenn man auch drauรŸen essen kann. So sind G1 und G3 wieder vereint. An dieser Stelle mรถchte ich auf meinen Aufruf gegen Grillrassismus verweisen, in dem ich ein paar versรถhnliche Worte dazu verliere.

Was sollte ich beim Rohstoff beachten?

Schweinenacken ist Schweinenacken, oder? Im Prinzip ja, aber achtet darauf, dass ihr Fleisch von guter Qualitรคt und mit verantwortbarer Herkunft kauft. Und die findet ihr nicht im Discounter und leider auch nicht bei den meisten Supermรคrkten. Ich vertraue hier auf meinen selbst schlachtenden Metzger.

Im Prinzip kรถnnt ihr auch andere Teile des Schweins verwenden, aber da der Nacken schรถn durchwachsen ist, wird das Steak spรคter besonders saftig und aromatisch.

Ein „perfektes“ Steak auf dem Gasgrill? Aber der Grillgeschmack!

Fรผr alle, zu denen es noch nicht durchgedrungen ist: den „Holzkohlegeschmack“ gibt es nicht. Lediglich dann, wenn die Kohle nicht richtig glรผht. Und dieser Holzkohlegeschmack schmeckt fett und ruรŸig, eher nach Auspuffknaller als nach Grillen. Klaus grillt hat schonmal ein Steak vom Kohle- und vom Gasgrill verglichen, hier ist der Link dazu. Der Geschmack, den die Meisten als „Holzkohlegeschmack“ interpretieren ist verbranntes Fett, das in die Kohle (oder eben das Verdampferblech beim Gasgrill) tropft, dort verbrennt und das Steak in Fettrauch hรผllt. Transfette ahoi, aber die sind meiner Meinung nach genauso giftig wie Fett im Essen, Stickoxide und Gummibรคrchen ๐Ÿ˜‰

Fรผr dieses Rezept braucht man doch bestimmt ein Einstechthermometer, oder?

Nun: eigentlich ja. Allen „das hat der Griller doch im Gefรผhl“- und „so ’nen Schnickschnack brauch ich nicht“-Rufen zum Trotz verwende ich meistens das Einstechthermometer. Warum? Wer ein perfektes Ergebnis haben mรถchte, muss die perfekte Temperatur treffen. Und solche Steakthermometer kosten nicht die Welt. Hand auf’s Herz, da hat jeder von uns schon mehr Geld fรผr weniger Sinnvolles ausgegeben. Aber keine Sorge, ich erwรคhne auch, wie ihr ohne Einstechthermometer in etwa zum Ziel kommt.

ร–lmarinade oder Trockenmarinade …

… ist Geschmackssache. Ich finde, das im Schweinenacken enthaltene Fett reicht fรผr den Grillgeschmack leicht aus, daher verwende ich eine Trockenmarinade. Wer gern mehr vom liebgewonnen „Holzkohlegeschmack“ haben mรถchte, kann auch die Gewรผrzmischung mit einem Schuss ร–l anrรผhren, bevor er sie auf das Fleisch aufbringt.

Bei der Auswahl der Gewรผrze sind eurer Phantasie keine Grenzen gesetzt. Ich persรถnlich nehme hierfรผr immer Gewรผrzmischungen, die ich schon da habe. Bei den Zutaten verlinke ich euch das Rezept einer Gewรผrzmischung, die ich lecker und passend finde.


Zutaten fรผr 4 Personen

Beilagen

  • gegrillter Lauch
  • angegrillte Baguettescheiben

Benรถtigtes Zubehรถr

  • nach Mรถglichkeit ein Kerntemperaturthermometer

Setup

Die Schweinenackensteaks werden direkt bei mittlerer Hitze gegrillt. Je nach Geschmack und Erfahrung kรถnnt ihr noch eine indirekte Zone schaffen, in der das Steak nachziehen kann.

Schema_halbeKraft
Grillsetup-Schema fรผr das direkte Grillen von Schweinenackensteaks

Zubereitung

Schneidet aus dem Schweinenacken zunรคchst Steaks heraus. Ich persรถnlich mag etwa 2 cm dicke Steaks, sie sind saftiger aber etwas unberechenbarer hinsichtlich des Garpunktes auf dem Grill. Wenn ihr also kein Einstechthermometer verwenden mรถchtet, empfehle ich euch, etwa 1 cm dicke Steaks zu schneiden.

Wรผrzt die Steaks anschlieรŸend mit der Gewรผrzmischung. Keine Sorge, wenn der Salzgehalt in der Mischung stimmt, kรถnnt ihr das Fleisch nicht รผberwรผrzen, wenn kein Gewรผrz mehr am Fleisch hรคlt, ist es genug. Solltet ihr zur ร–lmarinadenfraktion gehรถren, mischt einige EL ร–l mit etwa der gleichem Menge der Gewรผrzmischung und zieht die Steaks durch die Marinade, sodass รผberall was haften bleibt.

AnschlieรŸend lasse ich die Steaks noch etwas ziehen, damit sich die Gewรผrze mit dem Fleischsaft verbinden kรถnnen. Einziehen wird die Marinade ohnehin nicht – รผbrigens auch nicht bei ร–lmarinaden – daher mรผsst ihr sie auch nicht besonders lange ziehen lassen. Wenn ihr eine Marinade auf Wasserbasis macht (z. B. Bier) zieht sie รผbrigens sehr wohl in das Fleisch ein, das dauert aber, oder ihr knetet es.

Wรคhrend die Steaks ziehen, kรถnnt ihr den Grill starten und aufheizen lassen. Sorgt dafรผr, dass er nicht zu heiรŸ ist, da euch sonst die Gewรผrze verbrennen und das Steak innen noch roh ist. Es soll also mittlere Hitze sein, bei meinem Broil King Royal 320 etwa alle Brenner auf halbe Kraft. Nun unterscheide ich zwischen zwei Fรคllen:

Dicke Steaks (Methode mit Einstechthermometer): Grillt das Steak von allen Seiten an, bis euch die Kruste bzw. die Grillstreifen gefallen. Legt es dann in den indirekten Bereich und lasst es bis zu einer Kerntemperatur von 75 ยฐC ziehen.

Dรผnne Steaks (Methode ohne Einstechthermometer): Grillt die Steaks von allen Seiten gut an, bis euch die Kruste bzw. die Grillstreifen gefallen. Hier dรผrft ihr sie natรผrlich so oft drehen, wie ihr wollt ganz ohne „Steaks darf man nur einmal drehen“-Hokuspokus. Da die Steaks dรผnn sind, reicht der Wรคrmeeintrag beim Angrillen aus, damit sie auch innen gar sind. Hier findet ihr schon raus, wie es am besten wird.

Da haben wir’s: Ruckzuck, ohne Chichi, ohne Zauber und Feenstaub haben wir ein solides, aber perfekt gegrilltes, leckeres Schweinenackensteak.


Fazit

Ihr seht, viel gehรถrt nicht dazu, ein Nackensteak in Perfektion zu grillen. Die Rรถststoffe an der Kruste verbinden sich toll mit den Gewรผrzen und dem tollen Fleischgeschmack, das Steak ist zart und saftig. Ganz so wie es sein soll, das perfekte Schweinenackensteak eben.

Und eins noch: ich kann euch wirklich nur Raten: investiert die paar Euro und kauft euch ein Einstechthermometer wie den Thermapen. Es gibt auch gรผnstigere Versionen davon bereits um 10 โ‚ฌ. Das ist ein recht geringer Preis, wenn ihr ab da jedes Stรผck Fleisch zum perfekten Garpunkt bekommt. Und ich hab noch nie erlebt, dass jemand durch so ein Thermometer zu einem schlechteren Griller geworden ist ๐Ÿ˜‰

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