Grilltest: Ein Gasgrill für unter 200€? Was taugt der Grillchef Gasgrillwagen

Es wird wohl kaum jemanden geben, der beim Grillkauf nicht schon einen Einsteigergrill in Erwägung gezogen hat. Auch ich nehme mich dabei nicht aus. Nun hatte ich ein ganzes Wochenende lang Zeit, einen Grill für sage und schreibe 199 € ausgiebig zu begrillen. Hier sind meine Eindrücke dazu.


Es handelt sich dabei um den Grillchef Gasgrillwagen. Die UVP des Herstellers laut der mir vorliegenden Broschüre ist 319 €, gekauft wurde der Grill für 199 € bei einem großen deutschen Discounter.

Ich habe versucht, diesen recht ausführlichen Test so gut wie möglich zu strukturieren. Zunächst habe ich mich um Haptik und Verarbeitung des Grills gekümmert, es folgen die Inneren Werte, also was gibt es zu Grillfläche, Grillrosten usw. zu sagen. In Unter’m Blech behandle ich, welche Verstaumöglichkeiten der Grill bietet, welche Gasflaschen ihr verwenden könnt usw. Anschließend komme ich schon zum Hauptpunkt, wie gut kann der Grillchef Grillen. Der Abschnitt Reinigung beschreibt, wie gut der unangenehme Teil des Gasgrillerdaseins, das Putzen von statten geht. Zum Schluss ziehe ich noch ein Fazit.

Wie ihr es bereits von langen Beiträgen im Grillmanifest gewohnt seid, könnt ihr durch Klicken auf die Links direkt zum jeweiligen Abschnitt springen.


Erstmal ein paar Daten

  • 3 Edelstahlbrenner mit einer Gesamtleistung von 10,5 kW
  • integrierte Piezozündung
  • emaillierter, zweigeteilter Grillrost aus Stahldraht (hier gibt’s Grundlagen)
  • verchromter Ablagerost
  • abklappbare Seitenablagen mit Haken für Grillzubehör
  • kompatibel mit 5 kg-Gasflasche, wird im Unterwagen verstaut
  • incl. Gasdruckminderer und Schlach
  • incl. Wetterschutzhaube

Die Eckdaten lesen sich schonmal nicht so verkehrt. Der Grill hat nominell sogar mehr Brennerleistung als mein Broil King Royal mit „nur“ 8,8 kW. Ob man die Mehrleistung merkt, erfahrt ihr später.


Haptik, Verarbeitung und Ergonomie

Der Grill hat die Maße 1,1 m hoch, 1,31 m breit und hat eine Tiefe von 0,57 m. Damit ist der Rost für großgewachsenen Personen (wie meiner Wenigkeit) etwas niedrig. Dieser Umstand schränkt weniger die Funktionalität als vielmehr die Ergonomie ein, das hält sich aber auch in Grenzen.

Die Haube des Grillchef ist aus Edelstahl und der Isolierung halber doppelwandig ausgeführt. Sämtliche anderen Teile wie Unterschrank, Seitenablagen, Brennerbedienfeld, Bodenplatte usw. sind aus pulverbeschichtetem Blech.

Der Grill steht verhältnismäßig solide da, kein Klappern, kaum verwinden, die Haube hat ein angenehmes Gewicht, lässt sich gut öffnen und schließen und schließt mit einem angenehm dumpfen „dunk“-Laut. Die Regler der Brenner sind gummiert und vermitteln einen recht satten und soliden Eindruck. Die Spaltmaße sind erstaunlich gleichmäßig.

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Haube aus Edelstahl doppelwandig, Unterschrank und Ablagen aus pulverbeschichtetem Blech

Nunja das Blech der pulverbeschichteten Teile ist nicht besonders dick und in recht kleinem Radius abgekantet. Das hilft der Stabilität, fühlt sich jedoch nicht unbedingt hochwertig an. An wenigen Stellen ist das Blech ein wenig scharfkantig, hier ist etwas Vorsicht geboten. Manchmal hakt die eine oder andere Verrastung und die Türen im Unterschrank wabbeln etwas in geöffnetem Zustand. Aber gut, irgendwo muss der Preis ja herkommen.

Aber alles in Allem war ich überrascht, was für einen guten Gesamteindruck Materialauswahl und Verarbeitung des Grillchef Geräts machen.


Innere Werte: Brennerkammer, Grillfäche und Ablagerost

Der Grillrost besteht aus emailliertem Stahldraht und ist zweigeteilt. Die Grillfläche beträgt 60 x 46 cm, also eine angenehme Größe, auch wenn man mal mehrere Dinge auf einmal auf dem Rost hat.

Der Ablagerost aus verchromtem Stahldraht hat eine feste Position in der Garkammer, ist also nicht schwenkbar. Vorteil daran ist, dass wenn etwas heruntertropft, landet es auf dem Grillrost und den Verdampferblechen und saut einem nicht den Deckel voll, wie bei der schwenkbaren Ausführung z. B. meines Broil King Royal 320. Der Nachteil ist, dass sich der Ablagerost recht tief über dem Grillrost befindet, wodurch er etwas im Weg ist, will man in den hinteren, heißen Bereichen des Rosts herumfuhrwerken. Der Ablagerost ist mit 60 x 16 cm für meinen Geschmack eher klein geraten, z. B. war er für ein (zugegebenermaßen nicht ganz unerhebliche) T-Bone-Steak etwas zu klein.

Die Verdampferbleche sitzen sehr dicht unter dem Grillrost und haben eine recht geringe Materialstärke. Das hat den Vorteil, dass sie schnell sehr heiß werden, was sich z. B. durch die weiße Asche äußert, zu der die Verschmutzungen in kurzer Zeit verbrennen, wie im Bild zu sehen. Ein Nachteil des dünnen Materials der Verdampferbleche ist, dass sie die Räucherbox beim Smoken nur mit etwas Fingerspitzengefühl tragen. Die Verdampferbleche sind die mitunter die am stärksten thermisch beanspruchten Teile eines Gasgrills. Das führt – Edelstahl oder nicht – zu Korrosion und früher oder später zur Durchrostung der Bleche. Die geringe Materialstärke ist hier nicht unbedingt ein garant für hohe Lebensdauer. Aber wir werden sehen.

Schließlich bietet der Grillchef Gasgrillwagen die Möglichkeit, einen Drehspieß (auch Rotisserie) nachzurüsten. Ob das für einen Grill ohne Heckbrenner jedoch ratsam ist, lasse ich mal im Raum stehen.

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Der Grillchef bietet eine vernünftig große Grillfläche, der Ablagerost ist jedoch etwas klein

Unter’m Blech: ablegen, verstauen, bewegen

Der Grillchef verfügt über zwei durchaus stabile Seitenablagen, wobei an einer davon drei Haken angebracht sind, an die Grill- und Reinigungsutensilien gehängt werden können. Im Grillbetrieb werden die Seitenablagen jedoch ziemlich warm, hier ist Vorsicht geboten!

Im Unterschrank befindet sich eine Halterung passend für eine 5 kg Gasflasche und reichtlich Platz für weiteres Zubehör. Der ambitionierte Griller könnte hier noch über ein Aufbewahrungssystem nachdenken. Wer eine 11 kg Flasche verwenden möchte, muss die neben den Grill stellen.

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Ein Blick unter’s Blech: großer Unterschrank mit 5-kg-Gasflasche

Der Grill hat vier arretierbare Rollen, womit er gut auf glattem, festem Untergrund (Balkon, Terasse) umhergeschoben werden kann. Ohne es probiert zu haben schätze ich die Qualitäten auf weichem oder losem Untergrund wie Rasen bzw. Kies eher schlecht ein.

 

 

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Grill kommt von Grillen. Wie gut kann das der Grillchef Gasgrillwagen?

Bedienung insgesamt

Dreht man den Regler der Brenner auf an, ertönt ein Knacken der Zündung und der Brenner zündet zuverlässig. Bei keinem der Starts an den drei Tagen, an denen ich den Grill bewerten durfte versagte die Zündung, Daumen hoch dafür.

Der Verstellbereich der Brenner umfasst eine viertel Umdrehung. Klingt nach wenig, erweist sich aber im Betrieb als nicht weiter störend, da sich die Temperatur sehr gut dosieren lässt. Auch dafür ein Lob.

Direkt grillen

Die Stäbe des Grillrosts sind relativ dünn, nicht 10€-Grill-dünn aber dennoch dünn, weshalb ich mir keine großen Hoffnungen gemacht habe, ein vernünftiges Branding hinzubekommen. Der Grillchef hat mich hier überrascht. Ordentlich vorgeheizt hat das T-Bone-Steak durchaus vorzeigbare Brandings bekommen. Ansonsten bleibt zu sagen: Direkt grillen kann eigentlich jeder Grill und genug Leistung hat der hier auf alle Fälle. Die Hitzeverteilung reicht von Warmhalteplatte ganz vorn bis Höllenfeuer ganz hinten. Das ist nicht ganz optimal, aber man kann sich darauf einstellen. Im hinteren Bereich hat er sogar gefühlt mehr Power als mein Broil King.

Indirekt

Hier war ich sehr gespannt. Wildschwein Pulled Pork und 3-2-1 Ribs haben wir indirekt auf dem Grillchef gesmoket. Hierfür war der rechte Brenner auf viertel bis halber Kraft und die anderen beiden waren abgedreht.

Und ich muss zu meinem Erstaunen sagen: auch das kann er ziemlich gut. Den Abluftschlitz habe ich dafür aber mit etwas Alufolie bis auf einen kleinen Schlitz verschlossen. Die mit dem Maverick ET-733 kontrollierte Garraumtemperatur schwankte trotz Winds in einem für einen Gasgrill erträglichen Maß und die Ergebnisse der beiden Gerichte waren tadellos.


Reinigung und Pflege

Die hier benutzten Begriffe sind in meinem Beitrag über Reinigung und Pflege von Gasgrills näher beschrieben.

Unterhaltsreinigung

Da die Brenner recht viel Hitze an die Roste bekommen, klappt das Abbrennen von Schmutz sehr gut. Zumindest im hinteren Bereich des Rostes, der vordere ist durch die ungleichmäßige Hitzeverteilung mit etwas mehr Aufwand zu reinigen, geht aber auch.

Da alle Flächen entweder lackiert oder pulverbeschichtet sind, lassen die sich sehr gut abwischen. Insbesondere besser als z. B. die grobe Oberfläche der Aludruckgusshaube meines Broil King Royal 320.

Zwischenreinigung

Die Fettauffangwanne befindet sich unter den Brennern und ist von hinten entnehmbar. Eine recht pfiffige Lösung wie ich finde. Wenn in dieser jedoch mal etwas mehr Fett steht, gilt es mit Vorsicht und ruhiger Hand heranzugehen.

Grundreinigung

Diese habe ich natürlich nicht selbst durchgeführt, jedoch werde ich meine Einschätzung dazu abgeben: die größte Arbeit bei der Grundreinigung ist sicherlich das Entfernen des eingetrockneten und festgebackenen Schmutzes aus der Brennerkammer sowie dem Deckel. Die Reinigung der Brennerkammer geht beim Grillchef durch die herausnehmbare und vollflächige Fettauffangwanne recht komfortabel, da nur die und die Ränder der Brennerkammer abgeschabt und -gewischt werden muss. Weiterhin gibt es glaube ich nichts zu sagen, es ist eben ein Gasgrill.

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Rückseitig ausziehbares Fettauffangblech

Fazit

Nachdem ich den Grill nun begrillen und auf Herz und Nieren prüfen durfte, habe ich das Für und Wider in Stichpunkten abgefasst.

Das hat mir gefallen:

  • recht viel Leistung, gute Hitzeentwicklung
  • entsprechend vorgeheizt sind ansehnliche Brandings möglich
  • indirektes Grillen mit nur einem aktiven Brenner funktioniert gut
  • sehr ordentliches Preis-Leistungsverhältnis

Das nicht so:

  • Hitzeverteilung: hinten deutlich heißer als vorne
  • die Verarbeitung ist nur okay für den Preis aber völlig in Ordnung, demnach kein richtigen Nachteil
  • es passt nur eine 5-kg-Gasflasche in den Unterschrank
  • die Seitenablagen werden im Grillbetrieb recht warm
  • die Rollen sind nur für ebenen, glatten Untergrund geeignet
  • für großgewachsene Griller etwas niedrig

Der Grillchef Gasgrillwagen ist also ein Grill für alle, die nicht viel Geld für ihren Grill ausgeben wollen und trotzdem ein brauchbares Allround-Grillgerät suchen.  Von der Vielseitigkeit bin ich durchaus angetan, ob direkt oder indirekt, alles hat wunderbar funktioniert, die Dosierbarkeit ist gegeben und die Ergebnisse waren durch die Bank super. Auch wenn ich ihn nicht gegen meinen Broil King tauschen würde, hat der Grillchef Gasgrillwagen doch einen – für diesen niedrigen Preis – guten Eindruck hinterlassen.

4 Antworten auf “Grilltest: Ein Gasgrill für unter 200€? Was taugt der Grillchef Gasgrillwagen”

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